»Ruud van Empel«. Pressetext zur Ausstellung Study in Green, TZR Galerie für bildende Kunst, 23. Mai bis 19. Juli 2004
Ruud van Empel, 1958 in Breda geboren, studierte von 1976 bis 1981 an der Akademie für Bildende Kunst St. Joost, Breda. Er arbeitete in den Folgejahren zunächst als Grafik-Designer. Ab 1986 realisierte er eigene künstlerische Projekte. Von 1989 bis 1995 arbeitete er als Artdirektor und Bühnenbildner für Fernseh- und Filmproduktionen. Seine Fernsehserie »Kreativ mit Korken« wurde in Holland mit einer Ausstellung im Reichsmuseum Amsterdam geadelt. 1993 gewann er den Charlotte Köhler Fernsehpreis und 2001 für seine seit 1993 entstehenden freien Fotoarbeiten den H.N. Werkmanpreis.
Ruud van Empel lebt und arbeitet in Amsterdam. Die Ausstellung »Study in green« zeigt die Serie »Offices« aus den Jahren 1996 bis 2001, im oberen Teil der TZR Galerie. Anlaß für die Arbeit war die Faszination des Künstlers van Empel für die rationale Welt von Forschung und Wissenschaft. Die Montagen, im Computer erstellt, erinnern an Bühnenbilder. Der jeweils zentral hinter seinem Schreibtisch platzierte Mensch erscheint passiv, eine Staffagefigur, allein durch die ihn umgebenden Gegenstände charakterisiert als Geologe, Chemiker oder Architekt. Hölzern wie Marionetten, deutlich sichtbar zusammengesetzt aus Einzelteilen, sind auch diese Figuren nur noch formaler Bestandteil der Bildkomposition. Van Empel kreiert »Berufsbilder«, in surrealistsicher Manier montiert unter Außerachtlassung von Proportionen oder Perspektiven. Die liebevollen Arrangements laden zur Beobachtung ein. Die Künstlichkeit der Szene aber befremdet, denn die puppenhaften »Darsteller« betonen die Anwesenheit des Menschen und thematisieren zugleich seine Abwesenheit.
In den Computermontagen der neusten Serie van Empels, »Study in Green« aus dem Jahr 2003 »sampeld« der Künstler unterschiedlichste Bildquellen: Fotografien von Bäumen und Ästen, direkt auf dem Scanner »abgelichtete« Blätter und Zweige und Abbildungen aus Botanikbüchern wachsen zu dichten Waldstücken zusammen. Nur auf den ersten Blick naturalistisch wirkend, tritt auf den zweiten Blick der Montagecharakter dieser Landschaften in den Vordergrund. Proportionen und Lichtführung entsprechen nicht der Natur, lassen aber im Bild eine nachvollziehbare Räumlichkeit entstehen. Sein Ziel, eine idealtypische Natur in eine ausgewogen harmonische, »schöne« Komposition zu transformieren, thematisiert von neuem die Frage nach der Abgrenzung zwischen Kunst und Kitsch.
Die Bewohner des van Empelschen Waldes sind Tiere und Mädchenpuppen. Sie sind ebenfalls aus Bildfragmenten zusammen gesetzt, wirken lebendig und fremdartig zugleich. In ihrer scheinbar natürlichen Umgebung aufgespürt, beobachten sie den Betrachter mit einer Mischung aus Neugier und Scheu. Unschuldige Schönheit, schöne Natur, das scheinen die Waldszenen der Ausstellung zu vermitteln. Das artig frisierte Haar, die weißen Kleidchen und die Strümpfe verweisen jedoch auf die 50er und 60er Jahre, auf den Brauch des Sonntagsspazierganges, auf die bürgerliche Familie als »Heile-Welt-Phantasie«. Das Zitat dieser Epoche ist jedoch zugleich der Verweis auf eine von Scheinmoral und Bigotterie gekennzeichnete Zeit, wodurch die »Heile Welt« der van Empelschen Bilder ihre Brüche erhält. |