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Sweet Afterlife. 12. Februar - 3. April 2004. Besuchertext zur Ausstellung.

In seiner Ausstellung Sweet Afterlife präsentiert Kozul die Werkgruppen Discoware und Feste. Die gezeigten Objekte entstehen in der Tradition des Readymades unter Verwendung vorgefertigter Materialien.

Auf einem Bett aus maschinell hergestellten Spitzendecken lagert ein Füllhorn, überdimensionale Kinderrasseln sind zusammen gefügt aus Glaskolben und geschmückt mit endlosen Rollen von Perlenschnüren und Seidenbändern. Ungezählte Matten von Discospiegeln, in Reihen zerschnitten, zieren eine Krücke oder einen Rollstuhl.

Indem Kozul dabei Materialien und Formen volkstümlichen Kunsthandwerks verwendet, thematisieren seine Objekte immer wieder die Grenzen zwischen Kunst und Kitsch. So dienen geklöppelte Spitzendeckchen, heute unverkennbare Dekoration kleinbürgerlicher Wohnkultur, in seinen Arrangements der Erhöhung, der beinahe sakralen Darbietung eines Votivobjektes. Insgesamt breitet sich in der Ausstellung ein geradezu manischer Drang zur Dekoration aus. Jede Arbeit ist mit Perlen, Bändchen, Spiegeln oder Diamanten geschmückt. Ornamente füllen jeden Zentimeter und beschwören den schönen Schein.

Gleichzeitig aber täuschen Sie den ersten Blick, lenken den zweiten auf die morbiden Details der Werke. Hinter der Anhäufung kitschig geschmäcklerischer Gestalt verbirgt sich Unerwartetes: Aus dem Füllhorn, der zentralen Arbeit der oberen Galerieräume, ergießen sich Knochen und Tierschädel, direkte Hinweise auf Vergänglichkeit, die Reste des Festes. In den gläsernen Kinderrasseln klappern ebenfalls Knochen, ein makabrer Blick auf die Kehrseite der Medaille, ein Verweis auf Realitäten, auf den Tod als einzige Gewissheit des Lebens.

Hier zeigt sich das Hauptinteresse des Künstlers Kristian Kozul. Mit dem Blick des Ironikers wendet er sich der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu, immer dort, wo starke emotionale Werte wirken. Geburt, Tod, Hochzeit, Erotik, Krankheit und die jeweiligen gesellschaftlichen Rituale im Umgang mit diesen Aspekten menschlichen Lebens sind für Kozul Anlässe zur künstlerischen Transformation. Auch, wenn die zitierten Kulturen, etwa der an Schmuckformen reiche Totenkult des Balkan oder die lieblos funktional eingerichtete Kranken- und Versehrtenführsorge des deutschen Gesundheitswesens erkennbar durchscheinen, findet Kozul eine allgemein verständliche Formensprache, die seinen Werken in Kroatien ebenso, wie in Deutschland eine subversive Wirkung und unausweichliche Präsenz verleiht.
TZR Galerie Kai Brückner