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Der Raum ist die Kunst.
Rezension RHEINSCHE POST 25.3.2011. Von Anreas Pankratz

Thomas Woll überschreitet die Grenzen zwischen Rauminstallation, Architektur und Plastik. Seine Schau „Orbitale Hülle" weckt Gedankenströme seiner Betrachter und provoziert eine körperliche Anteilnahme.

STADTMITTE Wer in diesen Tagen in der TZR-Galerie an der Poststraße vorbeischaut und die Tür hinter sich schließt, findet sich in einem fensterlosen Gewölbe wieder, das mit seiner Beton-Aura an das Innere eines Bunkers erinnert. An den Wänden hängen weder Bilder, noch stehen dort Skulpturen, die es zu umrunden gilt. „Orbitale Hülle", heißt die Installation von Thomas Woll, und ihr eigentliches Medium ist der Raum selbst. „Mir geht es um das Raumgefühl, das Raumvolumen", sagt der Düsseldorfer. Jeder Raum sei anders - schon bevor er ihn mit handelsüblichen Baumarkt-Materialen nach und nach verwandelt. Mehrere Zentner Bauplatten, Holz und Zement waren notwendig, um aus einer recht konventionellen Ausstellungsfläche innerhalb von zwei Wochen einen Ort zu zimmern, der beim ersten Eindruck an die Kommandozentrale eines Raumschiffs erinnert. Eine Konsole offenbart zwei Monitore, von denen einer ein schlagendes Herz, der andere zugenagelte Mittelklasse-Häuser in einer verlassenen Siedlung zeigt. Von Baden-Baden nach Düsseldorf Materialität, Architektur und Technik - diese Vorlieben lassen sich auf Wolls Biografie projizieren. Der Baden-Badener fing mit seinem Kunststudium zunächst in Nürtingen an, schloss es jedoch als Meisterschüler bei Irmin Kamp an der Kunstakademie Düsseldorf ab. Aber zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum Industrie-Mechaniker. Eine Ableitung von dem Leben des Künstlers auf sein Werk greife aber zu kurz. „Ich spreche ungern von Ideen", sagt der 39-Jährige. Doch dann gibt er einen Hinweis auf die Opposition, die sich in den Monitor-Sequenzen ausdrückt: die Frage um das Innen und Außen. Eine Antwort auf das Verhältnis ist nicht zu erwarten. Stattdessen wird der Betrachter dazu provoziert, Raum und Zeit zu hinterfragen. Zwei Lüftungsöffnungen, die Haube einer Telefonzelle, ein Fenster, das ins weiße Nichts führt, wecken Assoziationen. Die Gedankenausflüge müssen aber nicht zwangsläufig bei Science-Fiction-Filmen enden. Lässt sich der Galeriebesucher auf das Spiel ein, wird er selbst zum Teil der Installation und strickt die Gedanken des Künstlers fort. Der Betrachter wird zum Schöpfer seines eigenen inneren Filmes, um am Ende der Reise in einer Meditation anzukommen, mit der alle Menschen - wenn auch unbewusst - auch im Alltag konfrontiert werden. Geist und Körper verbunden „Hier bekommt das Publikum eine Anregung dafür, wie Räume in der Realität erfahren werden", sagt der Galerist Kai Brückner. Und das ist wohl die größte Leistung von Wolls Kunst. Sie hält nicht nur ein „Gesamt-Kunstwerk" vor, das auf bekannte Mittel in Stil und Gattung zurückgreift. Vor allem erlaubt sie ein ästhetisches Erlebnis, das eine geistige Auseinandersetzung mit einer körperlichen Unmittelbarkeit verbindet.
TZR Galerie Kai Brückner